Leatherman Wave 2007

Zwischen 1975 und 1980 entwickelte der Ingenieur Tim Leatherman ein Multifunktionswerkzeug, welches als zentrales Element eine zusammenfaltbare Kombi-Zange hatte. Obwohl anfangs wenig erfolgreich, setzte sich das von Leatherman als „Pocket Survival Tool“ bezeichnete Werkzeug schnell durch und wurde vor allem bei Handwerkern, Technikern, und allen Berufsgruppen, die mobil sein müssen, aber wenig Werkzeug mit sich umhertragen können, geschätzt. Heutzutage hat sich der Name Leatherman als Begriffsmonopol für diese Art von Werkzeugen etabliert.
skittic hat sich das Leatherman Wave 2007 mal etwas genauer angesehen.

 

 1. Daten und Fakten

Technische Daten
Länge: 10,1 cm
Breite: 3,7 cm
Höhe: 1,8 cm
Gewicht: 241g
Material: Edelstahl
Preis: 109,00 € (UVP Leatherman)
Garantie: 25 Jahre

Das Leatherman Wave wird in einer gelben Pappschachtel verkauft. Der Aufdruck „Leatherman: Now you’re ready“ schraubt die Erwartungen in sehr große Höhen. Das Wave ist noch einmal in einem Kunststofftütchen verpackt. Mit im Paket liegen ein Lederholster mit Gürtelaufnahme und eine mehrsprachige Bedienungsanleitung, in der man auch einen deutschen Teil findet.


 
Abb. 1 und 2: Verpackung und Inhalt
 

2. Werkzeuge

Das Wave besteht Leatherman-typisch aus zwei Teilen, die auseinandergeklappt eine Kombi-Zange freigeben. In der Kombi-Zange sind eine Nadelzange (1), eine Flachzange (2), ein Drahtschneider (3) und ein Hartdrahtschneider (4) vereint. In die Griffe, auf denen ein cm- und ein inch-Maß (5) geprägt sind, sind weitere Werkzeuge versenkt. Auf der einen Seite ist ein Bithalter (6) mit einem großen Doppelbit (Kreuz- und Schlitzschraubendreher), sowie ein Büchsen-/Flaschenöffner (7). Mit in den Öffner integriert ist eine Abisolierklinge (8). Auf der anderen Seite befindet sich ein großer Schlitzschraubendreher (9), ein kleiner Bithalter (10) mit einem Doppelbit (Uhrmacher-Kreuz- und Schlitzschraubendreher) und eine Schere (11). Schließt man das Tool, sind weitere Werkzeuge von außen erreichbar. Auf der einen Seite kommen ein Messer mit geradem Schliff (12) und eine Feile (13) zum Vorschein. Die Feile hat zwei Seiten, für Holz und Metall, und eine diamantbeschichtete Seite. Die andere Seite des Wave ist mit einem Wellenschliffmesser (14) und einer Holzsäge (15) bestückt.
Alle Werkzeuge, die in den Griffen versenkt sind, rasten beim Öffnen ein und können nur durch das Drücken auf einen entsprechenden Knopf wieder eingefahren werden. Besonders tolles Feature: Die beiden Messer sind für den Einhandgebrauch konzipiert. Durch ein längliches Loch kann man mit dem Daumen die Messer bis zum Einrasten aufklappen.

Das Material des Tools ist Edelstahl. Dabei wird eine sehr harte Legierung verwendet, um das Tool stabil und robust zu machen und damit die Klingen lange scharf bleiben. Nachteil der Legierung ist, dass sie weniger rost-resistent ist, wie bei weicheren Legierungen. Eine Rostfreiheit kann nie wirklich gewährleistet werden, Edelstahl ist lediglich korrosionsträge. Mit einer entsprechenden Pflege des Produktes wird es aber zu keiner Rostbildung kommen.

Sollten doch einmal Material- oder Herstellungsfehler auftreten, bekommt man satte 25 Jahre Garantie ab dem Kaufdatum. Das Tool wird dann von Leatherman entweder repariert oder umgetauscht. Auch der Austausch gegen neuere Modelle ist möglich, wenn ein altes nicht mehr vorrätig ist.



Abb. 4: Leatherman Wave
 

3. Praxistests

Kommen wir zunächst zu den Messern. Beide Messer lassen sich mit einer Hand sicher bedienen, und mit ein wenig Übung auch mit einer Hand wieder einklappen. Die Messer gehen sehr leicht auf und zu und arretieren, wenn sie ausgeklappt sind. Diese Einhand-Bedienung funktioniert aber nur wirklich gut bei Rechtshändern. Die Klingen sind sehr scharf und gehen durch die Test-A4-Seite wie Butter. Zur Sicherheit lassen sich die Klingen nicht ausfahren, wenn das Tool geöffnet ist.


 
Abb. 5 und 6: Loch zur Einhandbedienung und Arretierung

Das Messer mit geradem Schliff hat einen kurzen Bauch und eine scharfe, sehr robuste Spitze. Es bietet gute Schneideeigenschaften und ist sehr gut steuerbar. Mit dem Flachschliff bietet das Messer die besten Allround-Eigenschaften. Es hat eine Länge von ca. 7 cm.
Das Messer mit dem Wellenschliff hat eine so genannte Schaffuß-Form. Es hat keine Spitze und keinen Bauch. So sind die Schneideeigenschaften eher einseitig, man kann dafür aber kaum unbeabsichtigt einen weichen Gegenstand durchbohren oder verletzen. Das Wellenschliffmesser ist einseitig geschliffen, und ist deshalb gut geeignet zum präzisen schneiden oder teilen von Gegenständen. Die Länge des Messers beträgt etwa 7 cm.


 
 
Abb. 7-10: Die beiden Messer

Die Feile und die Säge sind mit Fingernägelkerben ausgestattet und lassen sich ebenfalls sehr leicht öffnen und schließen. Der Arretierungsmechanismus ist derselbe wie bei den Messern. Die Feile hat eine Nutzfläche von 6 – 6,5 cm. Die Seite mit der Holz-/Metallfeile ist eher für die groben Arbeiten geeignet, die diamantbeschichtete eher für die Feinarbeiten. Beide Seiten hinterlassen einen bleibenden Eindruck in dem Testholzstück. Die Schnittkante ist ebenfalls eine Holz-/Metallfeile. Damit ist es möglich, präzise Kerben zu schnitzen, wie es z.B. beim Fallenbau benötigt wird.
Die Säge ist sehr scharf und säbelt sich mit Leichtigkeit durch das Holzstück. Mit 6,5 cm Sägeblatt ist die Säge perfekt geeignet, um Zweige und kleinere Äste zu entfernen. Das Sammeln von natürlichem Tarn- oder Brennmaterial wird dadurch sehr erleichtert.


   
Abb. 11-13: Die beiden Seiten der Feile und die Säge

Klappen wir nun endlich das Tool auf. Es kommt die Kombi-Zange zum Vorschein. In den Griffen befinden sich die weiteren Werkzeuge. Die Griffe sind gut verarbeitet und abgerundet, so dass es kein Problem ist, mit der Zange etwas mehr Druck auszuüben. Die Zangenbacken sind immerhin knapp über 4 cm lang. Vorn ist eine Nadelzange, gefolgt von einer normalen Zange. Mit beiden Zangen lässt sich ordentlich Druck machen, und die Zahnung hinterlässt tiefe Spuren in unserem Holzblock. Die Spitze ist klein genug, um auch noch relativ feine Arbeiten damit durchzuführen. Die Drahtschneider sind hinten in den Zangenbacken. Der Drahtschneider zerlegt mühelos Büroklammern und weichen Draht. Die kleinen Ausbuchtungen markieren den Hartdrahtschneider. Dieser schafft auch gehärteten Stahldraht, z.B. Angelhaken. Bei Durchmessern über 2 mm ist aber Schluss.


 
Abb. 14 und 15: Die Kombi-Zange

Alle Werkzeuge im Griff rasten ebenso wie die äußeren Werkzeuge ein. Zum Entriegeln muss man auf den geriffelten Teil der Arretierung drücken. Diese Werkzeuge lassen sich deutlich schwerer aus- und einklappen. Durch unterschiedlich hoch angebrachte Fingernägelkerben kann man die Werkzeuge mit viel Kraft einzeln ausklappen.



Abb. 16: Arretierung innen

Auf der einen Griffseite befinden sich der große Bithalter und der Dosen-/Flaschenöffner. Die Bits rasten sicher in den Halter ein. Mitgeliefert werden ein 5 mm breiter Schlitzschraubendreher und ein ca. 3 mm breiter Kreuzschraubendreher (No1-2 3/16). Die kurzen Einsätze sind natürlich für schmale und enge Zugänge nicht geeignet.


 
Abb. 17 und 18: Der große Bithalter und das große Doppel-Bit

Der Öffner hat das klassische Design und verrichtet seine Arbeit ohne Beanstandungen. Im Öffner ist noch die Abisolierklinge integriert.



Abb. 19: Dosen-/Flaschenöffner

Auf der anderen Griffseite befinden sich ein großer Schraubendreher, der kleine Bithalter sowie eine Schere. Der große Schraubendreher ist lang, aber sehr stabil und ca. 7 mm breit. Der kleine Bithalter wird mit einem Uhrmacher-Doppelbit geliefert, Schlitz- und Kreuzbit haben eine Breite von ca. 1 mm und sind für die feinen Arbeiten ausgelegt.


   
Abb. 20-22: Schraubendreher, der kleine Bithalter und das kleine Doppel-Bit

Die Schere bietet eine Schnittkante von 1,8 cm und ist sehr scharf: Sie schneidet sich ohne Probleme auch durch dicke Pappe oder Gewebe. Eine stabile Federung sorgt für eine gute Ergonomie.



Abb. 23: Die Schere

An der Seite der Griffe ist ein Lineal eingestanzt, mit cm- und inch-Maß. Dabei ist die Beschriftung über beide Griffstücke durchgängig, und man kann so bei ausgeklappten Griffen bis zu 19 cm genau nachmessen. Im Griff ist auch ein Schlüsselring versenkt. Um diesen auszuklappen, öffnet man die Säge bis zur Arretierung. Danach kann man mit einem flachen Gegenstand (z.B. ein Geldstück oder Schlüssel) den Schlüsselring zur anderen Seite hinausschieben.


 
Abb. 24 und 25: Lineal und Schlüsselring

Das mitgelieferte Lederholster ist recht gut verarbeitet und bietet eine Gürtelschlaufe, so dass man das Leatherman Wave immer in Griffweite hat. Die Öffnung ist schön eng und das Wave sitzt sehr sicher. Der Druckknopf schließt fest. Man kann das Holster auch als Ablage benutzen, denn bei ausgeklapptem Werkzeug ist das Wave nicht breiter, sondern nur länger (Ausnahme ist natürlich die Zange).


 
Abb. 26 und 27: Das Lederholster
 

4. Pflegehinweise

Das Tool sollte regelmäßig gereinigt werden. Dazu verwendet man einfach Wasser und milde Reinigungsmittel in Verbindung mit einem weichen Tuch. Für gröberen Schmutz kann man auch Terpentin oder Spiritus verwenden. Das Tool und insbesondere die Gelenke sollten nach der Reinigung sorgfältig getrocknet und mit einem leichten, rostlösenden oder feuchtigkeitsverdrängenden Öl behandelt werden, damit keine Korrosion entstehen kann. Profis schwören hier auf das geruchsneutrale, chinesische Kamelienöl, welches, dünn aufgetragen, den Kontakt der Klingen mit der Feuchtigkeit in der Luft verhindern kann.

Sollten die Schnittleistung der Klingen einmal nachlassen, müssen sie nachgeschärft werden. Dabei ist auf den Schliff der Klingen zu achten. Die glatte Klinge des Wave kann mit Abziehsteinen oder handelsüblichen Messerschärfern bearbeitet werden. Die Klingen mit Wellenschliff benötigten speziell darauf angepasste Methoden, um den Sägerand des Messers nicht zu beschädigen. Es ist empfehlenswert, das Tool zum Schärfen in die Hände eines Profis zu legen.

 

5. Bezugsquellen und Zubehör

Das Leatherman Wave findet man in fast jedem gut sortierten Outdoor-Shop. Vorsicht ist geboten bei Sonderangeboten. Dabei handelt es sich oft um die 2004er-Version. Um ganz sicher zu gehen, fragt lieber vorher im Shop nach. Die UVP des Herstellers ist 109,00 €. Über das Internet findet man Preise ab ca. 80 € aufwärts.

Als Zubehör ist vor allem das „Bit Kit“ empfehlenswert. Dieses ist für 32,95 € (UVP Leatherman) erhältlich und bietet 21 doppelseitige Bits in zwei Kunststoffhaltern, die von den Bithaltern des Wave aufgenommen werden können. Mit dabei ist ein Nylonholster für die beiden Kunststoffhalter. Für 19,99 € (UVP Leatherman) bekommt man ein Lederholster oder ein Nylonholster für das Wave. Ein Etui aus Kunststoff nimmt für 11,99 € (UVP Leatherman) das „Bit Kit“ auf. Schließlich ist noch ein Taschenclip mit Anhängeöse für denselben Preis erhältlich.

 

6. Pro und Contra

+ Auswahl von 16 Werkzeugen, die einzelnen Bits nicht mitgerechnet
+ klein, leicht und somit immer dabei
+ sehr robust, sehr gute Qualität mit 25 Jahren Garantie
+ sehr scharfe Messer, ausgezeichnete Werkzeuge
+ sehr gute Ergonomie
+ sehr gute Verarbeitung
+ Einhand-Bedienung der Messer, ohne Fummeln immer ein Messer parat
+ alle Werkzeuge arretieren und ermöglichen so sicheres Arbeiten
+ Erweiterbarkeit der Schraubendreher durch Bit Kits
+ Pflegeleicht durch Edelstahl

– Innere Werkzeuge sind recht schwergängig
– Ein-Hand-Bedienung nur für Rechtshänder

 

7. Fazit

Nicht umsonst ist das Wave das meistgekaufte Multitool von Leatherman. Das Tool bietet ein gesundes Mittelmaß aus Preis und Leistung und überzeugt auf ganzer Linie. Mit dem Zubehör bietet das Wave den Umfang eines kleinen Werkzeugkoffers. Dabei sind die Werkzeuge im Vergleich natürlich nicht ganz so gut wie die spezialisierten, dafür trägt man mit dem Wave den Werkzeugkoffer in der Tasche. Das Wave wird nicht nur Profis und Outdoorbegeisterte glücklich machen. Klare Kaufempfehlung!

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