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 Betreff des Beitrags: Militärische Ruhmeshalle
BeitragVerfasst: Mo Apr 28, 2008 10:10 pm 
Thread gefunden im IOFF.de Forum, von ThiloS geschrieben, einfach nur herrlich. Aller Ruhm gebührt ihm.

Diese Halle ist all jenen Feldherren, Generälen und sonstigen Offizieren gewidmet, die es geschafft haben, sich vor der Geschichte bodenlos zu blamieren und dies auch noch auf Kosten der ihnen anvertrauten Soldaten, den Feldherren, die bis zur Stufe ihrer Inkompetenz befördert wurden und dann in ihrem Beruf aufgrund Feigheit, Dummheit, Arroganz und Ignoranz kläglich gescheitert sind.

Die Reihenfolge ist willkürlich und erhebt natürlich weder wissenschaftlichen noch literarischen Anspruch oder Vollständigkeit.


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BeitragVerfasst: Mo Apr 28, 2008 10:10 pm 
General Karl Mack von Leiberich - *24.8.1752 t 22.10.1828

Unter all den vielen Aspiranten, die das Recht haben, in dieser Hall of Fame aufzutauchen, nimmt Mack eine herausragende Stellung ein. Vereinfacht gesagt, hat er so ziemlich jede Schlacht verloren, an der er Anteil hatte. Eher Diplomat und Bürokrat denn Feldherr wurde Mack eigentlich bereits zu Lebzeiten zu einer Lachnummer und ist nicht nur der eigentliche Urheber der russisch-österreichischen Niederlage bei Austerlitz, sondern auch direkt verantwortlich für das miserable militärische Ansehen der österreichischen Armee in den napoleonischen Kriegen.

Bereits in den Italienfeldzügen zeichnete sich ab, dass Mack als Oberbefehlshaber einer Armee eine schlimmere Fehlbesetzung als Beate Uhse in einer Ethik-Komission war.

1797 beispielsweise besetzte er mit seinen Truppen Rom, ließ sich jedoch von einem Häuflein zurückgebliebener Franzosen in der Engelsburg derart beeindrucken, dass er sich zurückzog. Als er sich kurz darauf von den Franzosen einen Waffenstillstand aufschwätzen ließ, brachen in Neapel Aufstände aus und Mack konnte seinen uniformierten Hintern nur dadurch retten, dass er Schutz beim Feind, bei den Franzosen suchte. Die haben kurz gelacht und ihn dann als Kriegsgefangenen nach Paris gebracht.

Dort ließen sie ihn dann wohlweislich entkommen (der Mann sollte noch nützlich für sie sein) und Mack kehrte nach Österreich zurück, wo er zwar ohne Anstellung, aber wenigstens bei Sold blieb.

Warum der österreichische Generalstab 1805 beschloss, ausgerechnet Mack die Pfeife zum tatsächlichen Oberbefehlshaber der österreichischen Truppen in Süddeutschland zu machen, wird wohl dessen Geheimnis bleiben. Vielleicht hatten sie seine Herumhängerei satt.

In jedem Fall war Mack jedoch lernfähig. Von der französischen Maxime des „der Krieg muss den Krieg ernähren“ beeindruckt, schickte er seine Armee ohne Versorgung und Tross ins Feld, damit diese, ähnlich wie ihre französischen Counterparts, durch die Lande marschieren und sich ihren Lebensunterhalt selbst zusammenplündern.

Nur, dass Österreicher eben keine Franzosen sind und mehr als einmal von bayerischen Bauern vom Hof gejagt wurden, ohne seriöse Gegenwehr zu leisten.

Unterdessen war bekannt geworden, dass Napoleon mit der Grande Armee von Boulogne aus in Richtung Süden unterwegs war, immerhin mit 200.000 Mann. Statt nun jedoch mit seinen 70.000 Soldaten den Versuch zu unternehmen, die Marschsäulen der Franzosen einzeln abzufangen – oder sich wenigstens danach zu erkunden, wo denn die Franzosen seien – tat Mack das, was er am Besten konnte: ängstlich dasitzen und fasziniert zuschauen, wie richtige Generäle ihre Truppen manövrieren.

Während die gewieften Franzosen in irrsinniger Geschwindigkeit immer näher kamen, beschloss Mack, sich wenigstens nicht ganz alleine besiegen zu lassen und zog seine Truppen bei Ulm zusammen, um die Beute für die Franzosen möglichst fett zu machen. Anscheinend hoffte er, von den über 300 km entfernt stehenden Russen und Österreichern entsetzt zu werden.

Während also Mack wie ein Kaninchen vor der Schlange zitternd in Ulm saß, zog Napoleon den Sack zu und die Österreicher übergaben sich gleich in zweifacher Hinsicht so gut wie ohne Gegenwehr. Schlimmer als bei Mack konnte es auch nicht sein.

Insgesamt fielen den Franzosen (laut wikipedia) „20.000 Mann, sieben Feldmarschall-Leutnants (Mack, Graf von Riesch, Graf von Klenau, Ignaz Graf von Gyulay, Erbprinz von Hessen-Homburg, Freiherr von Laudon und Freiherr von Gottesheim), acht Generalmajore, 3.000 Kavalleristen und 273 Artilleristen in die Hände. Weitere Kriegsbeute der Franzosen waren 49 Geschütze, 50 Munitionswagen und viel Gepäck“.

Auf Ehrenwort (dass er bitte auf jeden Fall wieder gegen die Franzosen kämpfen würde?) entlassen, trat Mack in der irrigen Meinung, ausgerechnet er habe, aus welchen Gründen auch immer, die österreichische Monarchie gerettet, den Rückweg nach Wien an, wo er sofort zum Tode verurteilt wurde. Nur dem Humor des Kaisers Franz ist es wohl zu verdanken, dass er nur zu Festungshaft von zehn Jahren begnadigt wurde, aus der er aber bereits 1808 entlassen und schließlich 1819 komplett begnadigt und rehabilitiert wurde. Da konnte er aber auch schon nix mehr kaputtmachen, weil der Krieg seit ein paar Jahren aus war.

Da es noch nicht den Orden „wider den tierischen Ernst“ gab, bekam er noch den „Maria-Theresia“-Orden und starb 1828 und hatte damit sehr viel mehr Glück als die ihm anvertrauten Soldaten.


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BeitragVerfasst: So Mai 04, 2008 9:43 am 
Francisco Solano López (* 24. Juli 1827 nahe Asunción, Paraguay; † 1. März 1870)

Manchmal genügt es nicht, einfach nur ein Depp zu sein, manchmal bringt die Geschichte tatsächlich komplette Idioten hervor. Der wohl dümmste Feldherr und Herrscher, der je regiert hat, dürfte Francisco Lopez sein, ein Lump, Fettsack und größenwahnsinniger Irrer, dessen Motto „Sieg oder Tod“ schließlich in einer zum Völkerselbstmord mutierten „Niederlage und Tod“ mündete. Ihm genügte es nicht, seine eigene Armee zu massakrieren, er führte den Krieg so lange, bis auch seine Bevölkerung um über 80% dezimiert war.

Ein Korrespondent beschrieb López einst als „Flutwelle aus Menschenfleisch“, als „veritables Mastodon mit pfirsichförmigen Gesicht und schwer herabhängenden Hamsterbacken“, was aber natürlich die grenzenlose Dummheit dieses Bananendiktators keinesfalls rechtfertigt.

López war ein typischer „Erbdiktator“, dessen Vater schon Präsident von Paraguay gewesen war und diesen „väterlichen Betrieb“ erbte López selbstverständlich. Kaum Präsident geworden (sein Bruder wurde natürlich Kriegsminister, damit´s in der Familie bleibt), brach er auch schon einen Krieg vom Zaun, indem er sich in den Bürgerkrieg im Nachbarland Uruguay einmischte und Brasilien den Krieg erklärte.

Dummerweise gewann jedoch die von den Brasilianern unterstütze Partei in Uruguay, während López Truppen sich noch irgendwo im brasilianischen Urwald herumtrieben.

Sich jedoch jetzt einfach zurückzuziehen und die Sache auf sich beruhen zu lassen, alleine, dies war die Sache von López GröFaz nicht. Er verlangte von Argentinien freies Durchmarschrecht, was naturgemäß kein Staat der Welt sonderlich witzig findet und was folgerichtig von Argentinien lächelnd abgewiesen wurde, worauf López, der mit den mittlerweile schon zwei Gegnern Uruguay und Brasilien offenbar immer noch nicht ausgelastet war, Argentinien eben auch nebenbei mal auf kurz den Krieg erklärte.

Natürlich erwartete López nichts anderes als einen überwältigenden Sieg und während in der Hauptstadt Asunción schon die Orchester zur Party aufspielten, erfuhr López durch einen berittenen Boten, dass seine Armee soeben kapituliert hatte.

Fuchsteufelswild verließ er die Feier, um sich selbst an die Spitze seiner Resttruppen zu setzen, nicht ohne seine Geliebte Eliza Lynch noch kurz zur Interimsregentin einzusetzen, und ließ, da sein Verlierer-General sich in Gefangenschaft befand, kurzerhand dessen Familie hinrichten.

Und tatsächlich sollte somit sein Name berühmt werden – wenn auch nicht ganz aus den Gründen, die sich López erhofft hatte. Er verlor die meisten seiner Schlachten, kannte außer blutigen Frontalangriffen keinerlei andere Taktiken und natürlich war es seinen Soldaten fürderhin verboten, sich zu ergeben. Mehr als einmal bekundeten ihm seine Gegner selbst in siegreichen Gefechten so viel Verachtung, dass sie auf dem Schlachtfeld nicht kehrtmachten, sondern sich rückwärts laufend zurückzogen.

López selbst schlugen wohl mit der Zeit sowohl das subtropische Klima, als auch die Strapazen eines Feldzuges aufs Gemüt. Er litt an Verfolgungswahn und installierte in seiner eigenen Armee ein Spitzelsystem, das es jedem dritten Soldaten erlaubte, seine Kameraden und selbst seine Offiziere der Feigheit zu bezichtigen, was in der Regel zu deren sofortiger Hinrichtung führte.

López kasperte sich mehr oder weniger durch den Krieg. So wurde er beispielsweise einmal fast von einer von einem brasilianischen Kriegsschiff abgeschossenen Granate getroffen, was er als persönlichen Anschlag auf seine Person interpretierte. Er forderte sofort seinen altersschwachen Flottenbefehlshaber Meza auf, mit irgendetwas und irgendwie die brasilianische Flotte anzugreifen, was dieser mit Hilfe von schnellgebastelten Flößen und einem englischen Ingenieur auch sofort tat.

Natürlich wurden die Bedauernswerten von den Brasilianern konsequent zusammengeschossen, Meza erlitt einen Lungensteckschuss und wurde von einem sichtlich frustrierten López aufgefordert, sich mit dem Sterben zu beeilen, da er ihn ansonsten füsilieren lassen würde.

Die Lage wurde immer aussichtsloser und López schien immer mehr den Verstand zu verlieren. Als die paraguayische Stadt Humaita belagert wurde, sahen sich die 400 Verteidiger in einer derart verzweifelten Lage, dass sie sich nur noch von Wurzeln und Pferdefleisch ernährten, während ihre Stellung von 30.000 Gegnern berannt wurde. Der Kommandant, der wohl wusste, was ihm bevorstand, versuchte, sich zu erschießen, traf jedoch daneben und tötete nur sein rechtes Auge. Schließlich musste sich das Häuflein Tapferer nach wahrhaft heroischem Widerstand ergeben, der Kommandant schlug sich mit ein paar Überlebenden durch den Dschungel zu López durch, nur um dort mit seinen Kameraden und seiner und deren Familien wegen Feigheit und Verrat hingerichtet zu werden.

López´ Mutter muss ihren Sohn dann irgendwann satt gehabt haben. Sie eröffnete ihm, er sei gar nicht der Sohn seines Vaters und hätte folglich kein Recht, das Land zu regieren. Wenn sie sich allerdings erhofft hatte, ihr Sohn würde nun den Krieg beenden und zurücktreten, hatte sie sich geschnitten. López verkündete, er werde sein Land in Schutt und Asche legen, befahl sämtlichen Untertanen, Asunción zu räumen und zog tutto completti in den Urwald. Dort befiehl ihn Fieberwahn und er schwankte zwischen religiösen Phantasien und sexuellen Exzessen. Er ließ seine Untertanen vor seinen Augen kopulieren, dann beschloss er, dass er unbedingt heilig gesprochen werden müsse.

Da ihm hierzu wohl das nötige Kleingeld fehlte – den Staatsschatz hatte er beim Herannahen seiner Feinde in einer tiefen Schlucht versenken lassen, die Zeugen dieses Vorgangs gleich mit, damit niemand das Geheimnis verraten konnte – beschloss er, hierzu einen anderen Weg zu gehen.,

López kehrte zurück in seine Hauptstadt und forderte die Bischöfe zu seiner Heiligsprechung auf, nicht ohne die, die sein Ansinnen nicht unterstützen, sofort exekutieren zu lassen, was bei den verbliebenen Bischöfen für eine schnelle und positive Entscheidungsfindung sorgte.

Als erste Amtshandlung nach seiner Heiligsprechung ließ López seine Mutter öffentlich auspeitschen. Dann verkündete er, jeder der paar überlebenden Paraguayos solle eine Gedenkmedaille erhalten, außer seiner Mutter, die möge hingerichtet werden. Während er ihr Todesurteil noch unterschrieb, wurde sein Lager von den Brasilianern überrannt, was Pech für ihn und Glück für seine unglückliche Mutter war.

López wurde von einem Speer getroffen, gab noch ein paar Schüsse aus seinem Revolver ab und hauchte dann sein verfluchtes heiliges Leben aus


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BeitragVerfasst: Sa Jun 21, 2008 11:51 pm 
George Armstrong Custer (* 5. Dezember 1839, † 25. Juni 1876)

Eigentlich hat George Armstrong Custer in dieser Ruhmeshalle nichts zu suchen – schlicht, weil er nie einen richtigen Generalsrang innehatte. Aber weil Custer wohl einer der berühmtesten Kasperköpfe war, der je seine Soldaten aus Eitelkeit und Dummheit umgebracht hat, hat er sich doch ein Plätzchen unter den militärischen Versagern aller Zeiten verdient.

Custer war eigentlich beim Militär fehl am Platz. Ein Selbstdarsteller wie er hätte eher auf eine Theaterbühne oder in den Versicherungsaußendient gehört. Da dort aber weit weniger schicke Uniformen getragen werden als beim Militär, scheint sich Custer dann doch eher, sehr zum Pech seiner zukünftigen Opfer, für die harte militärische Laufbahn entschieden zu haben.

Apropos hart: jemand wie Custer verstand sich meisterlich darauf, sich den Militärdienst so angenehm wie möglich zu gestalten. Seine Verwarnungen wegen Disziplinlosigkeiten waren bereits zu seinen Westpoint-Zeiten Legende. Er erhielt insgesamt 360 Verweise in Westpoint und es fragt sich, warum Gott ihm nicht die 100 Verweise pro Jahr geben hat lassen, die seinen Ausschluss bedeutet hätten. Wahrscheinlich wollte er den Indianern eine kleine Wiedergutmachung zukommen lassen...

Wären Egomanie und Uniformdesign Prüfungsfach gewesen, so hätte Custer wohl sicher als Erster von 34 abgeschnitten – nur leider war dies nicht der Fall und Custer schloss Westpoint als Letzter von 34 ab und ich wette, seine Ausbilder waren froh, als sie ihn endlich von hinten sahen, als er, todschick gekleidet, das Gelände verließ.

Dieser zweifelhafte Ruhm hinderte den schönen George jedoch nicht daran, beim Militär zu bleiben und dort auch fürderhin Uniform, Haartracht, Selbstbild und Angeberei zu pflegen. Kein Wunder, dass er dem Stabe des ähnlich tickenden George McLellan zugeteilt wurde. Die beiden Brüder im Geiste dürften sich ganz hervorragend verstanden haben.

Bei Ausbruch des Bürgerkrieges galt Custer durchaus als kühner und schwungvoller Anführer – allerdings auch als ein wenig – nennen wir es freundlich – ungeschickt. Aber er besaß ein unschlagbares Talent, seine Dummheiten einer staunenden Öffentlichkeit als militärische Großtaten zu verkaufen. Einen erfolgreichen Angriff bezeichnete er einst als „brillantesten Kavallerieangriff in den Annalen der Kriegsgeschichte“ und während ernsthafte Generäle Custer mitleidig belächelten, klatschte das Volk dem Verkäufer Applaus.

Custer wäre gerne ein „richtiger General“ geworden, wurde jedoch wohlweißlich nur in den zeitlich begrenzten Rang eines Brevet-Generalmajors erhoben, was soviel wie „Generalmajor ehren- und gnadenhalber“ bedeutete. Custer wäre nicht Custer gewesen, wenn er nicht trotzdem das Beste aus der Situation gemacht und sich eine wirklich ganz extravagante Uniform, ganz aus Samt, Lametta und Gold bestehend, entworfen hätte. Man darf getrost davon ausgehen, dass Custer sicher nicht der talentierteste, aber definitiv der bestangezogenste Offizier der Nordstaatler war.

Vielleicht veranlasste die Schönheit des blonden Recken den Feind, ihn nicht zu töten. Auf jeden Fall überlebte Custer den Krieg und wurde 1867, nach einer mal wieder missglückten Aktion gegen Sioux und Cheyenne (Custer hatte auf Deserteure schießen lassen, den Gehorsam wie üblich verweigert, in Verfolgung eigener Absichten seinen Auftrag nicht ausgeführt und Verwundete der „Fürsorge“ der Indianer überlassen) von einem Kriegsgericht auf 12 Monate ohne Sold suspendiert statt füsiliert.

Natürlich beklagte sich Custer über diese nach seiner Meinung himmelschreiende Ungerechtigkeit und so wurde er 1868 auf Betreiben seines „alten Kumpels“, General Sheridan, wieder in den aktiven Dienst übernommen. Eine schicke Uniform muss natürlich ausgeführt werden.

Diesmal wählte Custer als Laufsteg ein Indianerdorf der Cheyenne, das seine Soldaten mit Mann, Maus, Frauen und Kindern komplett ausradierte. Fortan trug er bei den Indianern den unehrenhaften Beinamen „Squaw-Killer“.

In der Zwischenzeit gab der heldenhafte Custer dann wunderbare Zeitungsinterviews, in denen er seinen Vorgesetzten, unter anderem seinem ehemaligen Gönner Sheridan, Bestechlichkeit unterstellte, ohne natürlich diese Vorwürfe auch mit Beweisen zu unterlegen, löste 1874 nebenbei einen Goldrausch aus, als er in Interviews verbreitete, in den heiligen Bergen der Indianer sei Gold gefunden worden und wurde Anfang 1876 von Präsident Grant mal wieder aus der Armee geschmissen und nur der Fürsprache seines Freundes, General Terry, ist es zu verdanken, dass Custer 1876 dann schließlich doch noch am Feldzug gegen die Sioux in den Black Hills teilnehmen durfte.

Es wird Zeit, mit einer Legende aufzuräumen: Sieht man Filmbilder von der Schlacht am Little Bighorn, so steht der schöne Custer mit wallendem blonden Haar unter der Fahne der 7. Kavallerie und schießt tapfer aus seinem Revolver, während wildgewordene Wilde im Kreis um ihn herumreiten und niederpfeilen.

Es war ganz anders.

Custer, den Skalp vielleicht in einer Vorahnung militärisch kurz geschnitten, hatte das Kommando über eine von drei Kolonnen, die nach dem Plan Terrys die Indianer angreifen sollten. Custer, für seine spontanen Eingebungen und Einzelgänge unter Eingeweihten eher berüchtigt als berühmt, hatte den ausdrücklichen Befehl, nicht eigenmächtig zu handeln. Da Custer jedoch nur Befehle akzeptierte, die er selbst gegeben hatte und mal wieder alles besser wusste als Andere, speziell Vorgesetzte, ignorierte er diese Weisung völlig.

Vor Kameraden hatte Custer noch getönt, die „Siebente“ würde ganz alleine mit dem „Indianerpack“ aufräumen (Kunststück – bisher hatte die „glorreiche Sieben“ ja auch nur gegen unbewaffnete Kinder und Frauen „gekämpft“) und sich aus diesem stolzen Grunde auch entrüstet geweigert, Gatling-Kanonen (eine Art Vorläufer des Maschinengewehrs) mitzunehmen. Auf die gutgemeinte Ermahnung von Oberst Gibbons („Hör zu, Custer, sei nicht voreilig und warte auf uns“) hatte Custer nur mit einem sehr auslegungsfähigen „Nein“ geantwortet und war aus dem Lager galoppiert.

Der superschlaue Custer, der in Westpoint bei der Lektion „Überraschungsangriff“ wohl gerade mit wichtigeren Dingen beschäftigt gewesen war, ignorierte den Rat seiner Crow-Späher, keine Lagerfeuer zu machen und führte sein Fähnlein Wackerer so geradewegs in die Arme der Sioux-Späher, die natürlich gar nicht lange nach ihm zu suchen brauchten, um ihn zu finden. Umgekehrt hatte Custer es augenscheinlich nicht nötig, seinen Gegner auszukundschaften, sonst hätte ihm möglicherweise gedämmert, dass ein Angriff mit einer Masse von knapp 300 Soldaten gegen gerademal ca. Fünftausend bis Sechstausend Indianerkrieger nur in einem Massaker an der aus seiner Sicht falschen Seite enden kann.

Aber Custer war ja auch nur 34ster von 34. Er hatte wohl auch in Mathematik gerade gefehlt.

Die Indianer hatten mit diesem Doldi ein fast schon blamabel leichtes Spiel. Sie schickten Custer ein paar berittene Krieger entgegen, die vor seinem Schärflein scharf abbremsten und dann hastig wieder davon galoppierten. Und ich bin sicher – nicht nur die Pferde haben vor Lachen gewiehert, als sich die Bleichgesichter anschickten, sie zu verfolgen.

Custer, voller Enthusiasmus, dass „die Rothäute vor uns fliehen“, beschloss, dass seine indianischen Späher, die ihn vor einer Falle warnten, nun wirklich keine Ahnung hätten und kam auf die glorreiche Idee, seine ohnehin nur paar Männeken auch noch in drei Kolonnen zu je knapp 100 Mann zu teilen, um ein paar Tausend Indianerkrieger von drei Seiten „einzukreisen“.

Die Sache ging natürlich gründlicher schief als die Jungfernfahrt der Titanic. Der Südtrupp unter Major Reno wurde von den Sioux gleich zu Beginn an den Felswänden des Little Bighorn festgenagelt, nur um wenig später Gesellschaft von Hauptmann Benteen zu erhalten, dessen Kolonne „im Westen“ ebenfalls von den Indianern eine interessante Lektion in Sachen „Mehrheitsentscheidung“ erhalten hatte.

Nur Custer fehlte noch. Der hatte das Lager der Sioux von Norden aus angreifen wollen, musste sich dazu jedoch nicht nur drei Meilen von seinen übrigen Kolonnen entfernen, sondern zu allem Überfluss auch noch einen Fluss überqueren. Doch bevor er überhaupt einmal mehr „den brillantesten Kavallerieangriff in den Annalen der Kriegsgeschichte“ starten konnte, wurde seine Rasselbande vom Hauptteil der Sioux unter Crazy Horse hinweggefegt und eine Anhöhe hinaufgetrieben. Dort stiegen die paar Überlebenden von ihren Pferden und führten die überlieferte Darstellung auf. Lediglich ein einziges Pferd überlebte das Massaker und hat damit mehr über Kriegsgeschichte gelernt als Custer in seinem ganzen Leben. Bis auf Custer selbst wurden übrigens sämtliche Leichen entkleidet und skalpiert, was zeigt, dass Indianer einfach keinen Modegeschmack hatten und außerdem Custer zutiefst verachteten.

Um es mit den abgewandelten Worten Churchills zu sagen: Nie haben so Wenige so Viele so selbstmörderisch angegriffen. Custer selbst würde sich, Niederlage hin, Niederlage her, sicher heute ähnlich freuen, wie Käpt´n Sparrow in „Fluch der Karibik“: „Ihr seid der miserabelste Feldherr, von dem ich je gehört habe“ – „aber: Ihr habt von mir gehört!“

Berühmt ist Custer auf jeden Fall bis heute – wenn auch eher als abschreckendes Beispiel, warum strenge Auswahlkriterien für Berufsoffiziere notwendig sind.


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BeitragVerfasst: Fr Jul 18, 2008 1:35 pm 
Joseph II. (* 13. März 1741, † 20. Februar 1790)

Gelegentlich werden Kriege mit Fußball verglichen. Da gibt es Stürmer, Verteidiger, Angreifer, kontrollierte Offensiven, Flankenmanöver…

Würde man diese Analogie auf Joseph II. von Österreich anwenden, so wäre er der erste Trainer gewesen, dessen Mannschaft alleine auf dem Platz stand und sich selbst prompt durch eine Reihe von Eigentoren besiegte.

Joseph, Sohn Maria-Theresias und damit natürlich bestens vertraut mit den Kriegen Friedrichs des Großen, beschloss eines schönen Tages, es dem ehemaligen Feind gleichzutun und auch einmal einen Feldzug siegreich durchzuziehen.

Als Feind hatte er sich die Türken ausgesucht, weil er sie a) nicht leiden mochte und b) sie für minderwertig hielt. Er sollte sich bald darauf ein Bild von der eigenen Überlegenheit machen können...

1788, bereits kränkelnd und mit einem röchelnden Reizhusten ausgestattet, machte sich der zu seiner Zeit sehr unbeliebte Pedant mit Hang zur Detailversessenheit auf, endlich militärischen Ruhm zu ernten. Er erklärte sich zum "Rächer der Menschheit", der "die Welt von einem barbarischen Volksstamm befreien" werde und zog an der Spitze seiner Truppen nach Transsylvanien.

Von Anfang an ging alles schief.

Josephs erste glorreiche Tat bestand darin, trotz der Warnungen von Einheimischen sein Lager in einem Malariagebiet aufzuschlagen, was ihm 33.000 Tote und 173.000 kranke Soldaten sowie einen kranken Kaiser, nämlich ihn selbst, bescherte.

Während Josef noch damit beschäftigt war, nicht an Malaria zu sterben und sich ansonsten die Seele aus dem Leib kotzte, erhielt er die Nachricht, dass die Türken unter Führung des Großwesirs Kurs auf ihn genommen hatten.

Josef brach – unter anderem sofort mit der Hälfte der Armee, die noch stehen konnte, auf, um die Schlacht nahe der Stadt Karansebesch zu suchen. Und er sollte sie bekommen. Allerdings anders, als er sie sich vorgestellt hatte.

Da die Türken noch weit entfernt waren, marschierte die Kolonne der Kranken und Siechen in ordentlicher Formation, um gegen Abend eine Brücke unweit von Karansebesch zu überqueren. Die ordentlich vorausreitenden Husaren trafen hierbei auf eine Gruppe walachischer Händler, denen sie Schnaps teils abkauften, teils einfach wegnahmen.

Als ein paar Infanteristen, die ebenfalls einen plötzlichen Durst verspürten, sich ihren Anteil an der ersten Beute sichern wollten, wurden sie von den arroganten Kavalleristen vertrieben. Zornig versuchten sie, die Husaren zu erschrecken, schossen in der Dämmerung in die Luft und riefen "Turci! Turci!". Die Husaren, mittlerweile so voll wie die in der Mitte des Heerwurms marschierenden Haubitzen, konnten Spaß verstehen und spielten mit, brüllten ebenfalls "Turci!" und ballerten ein wenig in der Gegend herum.

Der Effekt war allerdings wirklich grandios. Die hinteren Reihen, die immer noch auf die Brücke zumarschierten, konnten natürlich nicht erkennen, was dort in der Dunkelheit vor sich ging, gerieten in Panik und feuerten in Richtung der Rufe. Einige Offiziere liefen die Reihen auf und ab und befahlen "Halt! Halt!", was sich für die erschrockenen Soldaten, von denen viele auch des Deutschen nicht mächtig waren, in der Dunkelheit und Chaos wie "Allah! Allah!" anhörte und die Panik noch steigerte, die jetzt auf das komplette Heer übergriff. Es wurde geschossen, gebrüllt, gerannt und auch wirklich der letzte Österreicher war davon überzeugt, vom türkischen Heer umzingelt zu sein.

Die Troß- und Geschützfahrer wendeten ihre Fahrzeuge, versuchten sich durch die Kolonnen nach hinten durchzuschlagen, veranlassten die hinter ihnen marschierenden Reihen, auseinanderzustieben, drängten einen Großteil der eigenen Leute in den Fluss und gaben Fersengeld. Bei dieser Gelegenheit rissen sie dann ungefähr die Hälfte der Armee in ihre heillose Flucht vor garnix mit. Alles rannte, rettete und flüchtete nach hinten.

Joseph bekam von der Massenpanik erst etwas mit, als er, hustend in der Kutsche sitzend, mitsamt jener von den flüchtenden Haufen umgeschmissen wurde und in den Fluss kullerte.

Mit einer geradezu rührenden Tapferkeit bestieg der triefnasse Kaiser ein Pferd und versuchte, den Degen in der Hand, Ordnung in das um ihn brodelnde Chaos zu bringen, aber es war zu spät. Zu beiden Seiten des Flusses gab es in der Dunkelheit heftige Kämpfe von Österreichern gegen Österreicher, flüchtende Männer, Explosionen, Kanonen wurden verlassen und Gepäckstücke gingen verloren. Und überall tönte der entsetzte Schrei "die Türken sind da, rette sich wer kann".

Erst die Morgendämmerung machte dieser Hölle ein Ende und die bestürzten Österreicher mussten erkennen, dass sie soeben gegen sich selbst verloren hatten. Über 10.000 Mann waren von Kameradenhand getötet oder verwundet worden.

Zur Ehrenrettung Josephs sei gesagt, dass er diese Katastrophe nicht wirklich hätte verhindern können – andererseits war er der Oberbefehlshaber und hat insoweit auch die Verantwortung für die Vorkommnisse zu tragen. Wäre eine solche Heimniederlage einem Subalternen passiert, dann hätte sich dieser vor einem Kriegsgericht wiedergefunden.


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